Unschuld (Film 2008)

„Unschuld“ ist ein Spielfilm aus dem Jahr 2008 und stammt aus der Regie von Andreas Morell. Die Handlung des Films ist gewissermaßen in Episoden unterteilt, welche sich allesamt im zeitgenössischen Berlin ereignen. Dabei werden verschiedene Handlungsstränge von insgesamt 10 Personen erzählt.

Diese Menschen sind einerseits grundlegend verschieden, haben jedoch andererseits diverse Gemeinsamkeiten, welche sich in den einzelnen Geschichten zeigen: sie alle sind auf gewisse Weise in einer Lebenssituation eingefangen, in denen sie alles andere als glücklich sind und aus denen sie auf irgendeine Weise herausbrechen wollen. Gleichermaßen haben damit alle Personen eine ähnliche Sehnsucht nach Glück. Während der Handlung begegnen sich die einzelnen Akteure mehr oder weniger zufällig und erlangen dadurch jeweils einen Hauch dessen, was sie sich so sehnlichst wünschen. Insgesamt lassen sich die unterschiedlichen gesellschaftlichen Stände der Personen bzw. ihre Herkunft als Beispiele für ganze Gesellschaftsgruppen deuten, sodass deren Streben nach Glück und ihre Angst vor der Gefangenschaft in unliebsamen Lebenssituationen stellvertretend für nahezu jeden Menschen steht.

Der Unschuld Trailer

Zehn Schicksale kreuzen sich

Zu Beginn lernt der Zuschauer Kim (Young-Shin Kim) kennen. Kim ist eine Prostituierte in Berlin und ihr größter Wunsch ist es, ihrem Zuhälter (Michael Kind) den Rücken zu kehren und gemeinsam mit einem geliebten Freier in ihre Heimat zu reisen, um dort ein neues Leben zu beginnen. Doch dies ist allein ihr Traum, der Alltag hingegen sieht anders aus. Nach ihrer Arbeit fährt sie nachts oft mit dem Busfahrer Raimo (Ronald Kukulies) nach Hause. Die schöne Kim ist für Raimo meist die einzige Unterhaltung auf seinen einsamen Fahrten der Linie 29 durch die menschenleeren Straßen des nächtlichen Berlins. Für ihn ist das Routine. Diese wird jedoch jäh durchbrochen, als er aus heiterem Himmel der geheimnisvollen Laura (Luise Berndt) das Leben rettet und sich sofort in sie verliebt. Auch die junge Polizisten Simone (Nadeshda Brennicke) arbeitet nachts und fristet ein ähnliches Dasein. Ihre Ehe mit dem teilnahmslosen Fotografen Peter (Jewgenij Sitochin) ist längst in einer Sackgasse, als Simone plötzlich auf den weitaus jüngeren Matte (Jacob Matschenz) stößt und eine Affäre mit ihm eingeht.

Kim

Eine Frage die alle beschäftigt

Dann ist da noch Julia (Leslie Malton), die sich sehnlichst ein Kind wünscht und in ihrem Leben jedoch keine Zukunft sieht. Auch ihr Jugendfreund Alexander (Kai Wiesinger) kann ihr nicht wirklich helfen. Längst vergessene Gefühle der Lebendigkeit erfährt sie erst, als sie in einer Bar den jungen Musiker Chris (Tobias Ortel) trifft und eine gemeinsame Nacht mit ihm verlebt. Chris jedoch erliegt anschließend dem ständig Druck eines Groupies, der noch nicht volljährigen Derya (Aylin Tezel). Im Laufe der Handlung und der Episoden kreuzen sich auf schicksalhafte Weise die Wege der unterschiedlichen Protagonisten und jeder beeinflusst somit den anderen. In diesen kurzen Zeiträumen verspüren sie allesamt den Hauch Leben, der ihnen scheinbar abhanden gekommen zu sein scheint. Viel mehr noch wird dadurch deutlich, dass sie alle auf der selben Suche sind – nämlich nach einer Antwort auf die unschuldige Frage danach, wie sie ihr Leben führen sollen und somit wirklich glücklich zu sein.

Ein Theaterstück als Grundlage

Das Drehbuch zu „Unschuld“, welches 2005 beim Filmfest Emden-Norderney ausgezeichnet wurde, schrieb Kai Hafenmeister. Dabei orientierte er sich am Theaterstück „Der Reigen“ von Arthur Schnitzler. Interessant dabei ist, dass das Theaterstück seinerzeit aufgrund der anstößigen Handlung einen Skandal auslöste. Hafenmeister versetzte diese Handlung ins moderne Berlin und übertrug die Figuren auf die heutige Zeit. Der Graf wurde so zum Bundestagsabgeordneten und der Dichter zum Musiker. Somit blieb der Film der Tatsache treu, dass die einzelnen Charaktere auf ganze soziale Gruppen übertragbar sind. Damit wird es letztlich zu einem Spiegelbild oder zumindest zu einem Ausschnitt dessen für die moderne Gesellschaft.

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